Das Wichtigste in Kürze
- Erwachsene lesen still im Schnitt 238 Wörter pro Minute bei Sachtexten und 260 bei Romanen (Metaanalyse, 190 Studien).
- Mehr als 1.000 Wörter pro Minute gehen laut Forschung nicht ohne starken Verlust beim Verstehen.
- Speed-Reading-Techniken sind vor allem gezieltes Überfliegen - nützlich, wenn Sie nur das Wichtigste brauchen.
- Schneller bei gleichem Verständnis werden Sie vor allem durch viel Lesen und einen größeren Wortschatz.
- Kurse und Bücher zum Thema gibt es in vielen Büchereien zum Ausleihen.
Vorteile des Speed Readings
Das Speed Reading erweckt zuweilen einen mysteriösen Eindruck und wird von Außenstehenden als Geheimwissenschaft wahrgenommen. Dass man innerhalb kürzester Zeit ganze Bücher verschlingen kann, erscheint unrealistisch und ruft Skeptiker auf den Plan. Diese sollten sich allerdings auf das Ganze einlassen, um zu erkennen, dass es sich um eine erlernbare Fähigkeit handelt.
Man benötigt für das Speed Reading keine besondere Begabung, sondern muss lediglich eine spezielle Technik anwenden. Damit geht zunächst ein gewisser Lernaufwand einher, der sich angesichts der folgenden Vorteile aber lohnt:
- höhere Konzentration
- gesteigerte Leseeffektivität
- besseres Textverständnis
- enorme Zeitersparnis
Es wirkt zunächst paradox, ist aber Tatsache, dass das Lesen mit gezielten Techniken des Speed Readings besser funktioniert. Eine Verdoppelung der Lesegeschwindigkeit ist hier durchaus möglich und verbessert zugleich das Verständnis, da man besonders konzentriert liest.
Die verschiedenen Techniken des Speed Readings
Wenn es darum geht, das Speed Reading zu lernen, lassen sich viele Interessierte zunächst einschüchtern. Das Schnelllesen übt eine große Faszination aus, kann aber auch respekteinflößend sein. Hier sollte man keine falsche Scheu an den Tag legen und sich vor Augen führen, dass es sich um keine Fähigkeit handelt, die angeborenes Talent erfordert. Eine gewisse Begabung ist zwar nicht verkehrt, aber nicht erforderlich, um das Speed Reading zu lernen.
Hier kommt es vor allem auf die richtige Technik an, die man sich aneignen kann. Wissenswert ist in diesem Zusammenhang, dass verschiede Techniken existieren.
Lernende sollten daher die folgenden Herangehensweisen kennen:
- Verringerung der Augenfixierungen
- Vermeidung von Regressionen
- entspannter Blick
Der Erfolg des Speed Readings hängt davon ab, dass man entspannt auf den Text blickt, das periphere Sehvermögen nutzt und ständiges Zurückspringen vermeidet. Stattdessen sollte man keine einzelnen Wörter fixieren, sondern nur wenige Augenfixierungen zulassen. Auf diese Art und Weise kann man mit etwas Übung schneller lesen, ohne dass das Textverständnis darunter leiden müsste.
Damit dies gelingt, kann es sinnvoll sein, den Text zunächst zu überfliegen und zudem während des eigentlichen Speed Readings einen Zeiger zu nutzen. Zudem sollte man sich bewusst machen, dass es einen Unterschied macht, ob man in einem Buch oder am Bildschirm liest.
| Technik | Was sie bringt | Grenze |
|---|---|---|
| Überfliegen (Skimming) | schneller Überblick über einen Text | Details gehen verloren |
| Gezieltes Suchen (Scanning) | bestimmte Information schnell finden | nur für Nachschlagen geeignet |
| Zeigefinger / Lineal als Lesehilfe | hilft, in der Zeile zu bleiben und weniger zurückzuspringen (Regressionen) | beschleunigt nur begrenzt |
| Wortgruppen erfassen | weniger Blickstopps (Fixationen) pro Zeile | das Auge erfasst scharf nur wenige Buchstaben - mehr geht kaum |
| Innere Stimme unterdrücken (Subvokalisierung) | wird oft versprochen | das Mitsprechen im Kopf gehört laut Forschung zum Verstehen |
| Apps mit Einzelwort-Anzeige (RSVP) | Wörter blitzen nacheinander an einer Stelle auf - keine Augenbewegung nötig | Zurückspringen ist unmöglich, das Verständnis leidet |
Was wirklich hilft: Wer schneller lesen will, ohne weniger zu verstehen, sollte vor allem mehr lesen: Ein großer Wortschatz und Übung machen das Lesen flüssiger. Für Fachtexte hilft ein Plan - erst Überblick (Inhaltsverzeichnis, Zusammenfassung), dann gezielt die wichtigen Kapitel.
Vergleich der verschiedenen Lernangebote im Bereich des Speed Readings
Wer sich für das Schnelllesen interessiert und um die Vorteile weiß, benötigt typischerweise Unterstützung beim Lernen und begibt sich somit auf die Suche nach geeigneten Anbietern. Hier sind unterschiedlichste Institutionen zu nennen, die einerseits verschiedene Techniken vermitteln, andererseits aber vor allem auf unterschiedliche Lernangebote setzen.
Interessierte tun gut daran, hier zu vergleichen, um sich mit der Unterschiedlichkeit vertraut zu machen und schlussendlich die richtige Wahl treffen zu können. Im Folgenden gibt es eine kleine Übersicht.
- Präsenzkurse
Zunächst kann man auf Präsenzkurse bei privaten Anbietern oder auch an der VHS verweisen. Im Rahmen regelmäßigen Präsenzunterrichts erhält man gemeinsam mit Gleichgesinnten eine Einführung in die Welt des Schnelllesens und kann sich entsprechende Techniken unter fachlicher Anleitung aneignen. - Fernlehrgänge
Fernkurse verfolgen ein ähnliches Konzept wie Präsenzlehrgänge, indem sie als Lehrgänge unter fachlicher Anleitung daherkommen. Allerdings verzichten sie auf Präsenzen vor Ort und bescheren den Teilnehmenden so zeitliche und örtliche Unabhängigkeit. Dadurch lässt sich das Ganze gut mit dem Beruf und/oder der Familie vereinbaren. - App
Immer mehr Fernkurse setzen auf das E-Learning und kommen somit als digitale Lernangebote daher. App-Kurse treiben dies gewissermaßen auf die Spitze und machen Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets zu ihren zentralen Medien. Da das Handy für die meisten Menschen ohnehin ein ständiger Begleiter ist, haben Lernende per App jederzeit und überall Zugriff auf ihren Speed-Reading-Kurs. - Selbststudium
Menschen, die einerseits das Schnelllesen lernen und andererseits ihrer autodidaktischen Veranlagung Rechnung tragen möchten, liegen mit einem Selbststudium goldrichtig. Online-Tutorials und Lehrbücher für Autodidakten legen den Grundstein dafür, das Speed Reading in Eigenregie zu lernen.
Unabhängig davon, für welche Variante man sich schlussendlich entscheidet, kommen verschiedene Anbieter in Betracht. Neben der jeweiligen Lehrgangsform sollten auch die sonstigen Rahmenbedingungen im Zuge eines Vergleichs Beachtung finden. Dabei geht es vor allem um das jeweilige Lernkonzept, die vermittelte Technik sowie die anfallenden Kosten. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte lässt sich das passende Lernangebot finden.
Wer es bedauert, dass in der Schule das Schnelllesen nicht zum gängigen Lernstoff gehört, sollte nicht lange hadern, sondern die eigene Bildung selbst in die Hand nehmen. Indem man sich auf die Suche nach einem geeigneten Speed-Reading-Kurs begibt, kann man sich diese Fähigkeit aneignen und fortan stets davon profitieren.
Die Auseinandersetzung mit dem Speed Reading kann mit einem gewissen Aufwand verbunden sein, den Interessierte aber nicht scheuen sollten. Stattdessen sollte man Initiative zeigen und sich dem Lernen widmen, um sich diese Fähigkeit anzueignen. Das Speed Reading kann in nahezu allen Lebenslagen von Vorteil sein und erweitert die im Rahmen der Schule vermittelte Lesekompetenz.
Woher kommt Speed Reading - und was zeigen Tests?
Bekannt wurde das Schnelllesen in den USA: Die Lehrerin Evelyn Wood behauptete Anfang der 1960er-Jahre, mit ihren Techniken ließe sich die Lesegeschwindigkeit von rund 250 auf 1.000 Wörter pro Minute steigern. Seitdem versprechen Kurse, Bücher und Apps ähnliche Sprünge. Die Stiftung Warentest hat 2015 mehrere Lesetrainings geprüft: Bei manchen Teilnehmenden stieg das Tempo um bis zu 50 Prozent - das Textverständnis nahm dabei aber teils ab. Das deckt sich mit der Übersichtsarbeit von Rayner u. a. (2016): Schneller lesen geht, aber nur mit Abstrichen beim Verstehen.
| Woche | Übung | Dauer |
|---|---|---|
| 1 | Lesetempo messen (Selbsttest unten), täglich 15 Minuten ohne Handy lesen | 15 Min./Tag |
| 2 | Mit Finger oder Lineal als Lesehilfe lesen - weniger Zurückspringen | 15 Min./Tag |
| 3 | Sachtexte erst überfliegen, dann gezielt lesen; Kernaussage in einem Satz notieren | 20 Min./Tag |
| 4 | Lesetempo erneut messen und Verständnis prüfen: Können Sie den Text zusammenfassen? | 20 Min./Tag |
Im Studium bringt Effizienz mehr als Tempo: Wer vor dem Lesen klärt, welche Frage der Text beantworten soll, und Fachliteratur gezielt statt von vorn bis hinten liest, spart oft Stunden. Kurse zu Lese- und Lerntechniken bieten viele Hochschulen und Volkshochschulen an.
Wie lange brauche ich für ein Buch mit 300 Seiten?
Ein Taschenbuch hat grob 250 Wörter pro Seite, 300 Seiten sind also rund 75.000 Wörter. So lange dauert das reine Lesen bei typischen Geschwindigkeiten:
| Lesetempo | Wörter pro Minute | 300 Seiten |
|---|---|---|
| laut vorlesen | 183 | ca. 6 Std. 50 Min. |
| still, Sachtext (Durchschnitt) | 238 | ca. 5 Std. 15 Min. |
| still, Roman (Durchschnitt) | 260 | ca. 4 Std. 50 Min. |
| geübter Schnellleser | 400 | ca. 3 Std. 10 Min. |
Selbsttest: So messen Sie Ihr Lesetempo
Schritt 1: Text wählen
Einen Roman oder Sachtext, den Sie noch nicht kennen - kein Fachartikel.
Schritt 2: Zwei Minuten lesen
Stoppuhr stellen und normal lesen, so dass Sie den Inhalt verstehen.
Schritt 3: Wörter zählen
Wörter in drei Zeilen zählen, Durchschnitt bilden, mal Zahl der gelesenen Zeilen.
Schritt 4: Teilen
Ergebnis durch 2 teilen - das sind Ihre Wörter pro Minute. Zwischen 175 und 320 liegen die meisten Erwachsenen.
Kurs oder Buch? Volkshochschulen bieten regelmäßig Kurse zu Lese- und Lerntechniken an, oft an einem Wochenende. Bücher zum Thema leihen Sie in der Bücherei - so können Sie ausprobieren, ob Ihnen eine Methode liegt, bevor Sie für einen Kurs bezahlen.
Häufige Fragen
- Was ist Subvokalisierung?
Das leise Mitsprechen der Wörter im Kopf beim stillen Lesen. Viele Speed-Reading-Kurse wollen es abtrainieren. Laut Forschung (Rayner u. a., 2016) hilft die innere Stimme aber beim Verstehen - wer sie ganz unterdrückt, versteht schwierige Texte schlechter.
- Wie lange braucht man für 300 Seiten?
Bei durchschnittlich 250 Wörtern pro Seite und 260 Wörtern pro Minute (Romane) rund 4 Stunden 50 Minuten reine Lesezeit, bei Sachtexten eher 5 Stunden 15 Minuten.
- Wann ist man ein schneller Leser?
Die meisten Erwachsenen lesen still zwischen 175 und 320 Wörtern pro Minute. Wer darüber liegt und dabei gut versteht, liest schneller als die große Mehrheit.
- Helfen Speed-Reading-Apps?
Apps, die Wörter einzeln nacheinander einblenden (RSVP), lassen das Lesen schnell aussehen. Weil man nicht zurückspringen kann, geht aber Verständnis verloren - für Romane oder Fachtexte sind sie wenig geeignet.
- Funktioniert Speed Reading?
Nur eingeschränkt. Schneller lesen geht, aber auf Kosten des Verständnisses: Laut einer großen Übersichtsarbeit (Rayner u. a., 2016) ist es unwahrscheinlich, die Lesegeschwindigkeit zu verdoppeln und trotzdem gleich viel zu verstehen.
- Wie viele Wörter pro Minute liest ein Erwachsener?
Still im Schnitt rund 238 Wörter pro Minute bei Sachtexten und 260 bei Romanen, die meisten Erwachsenen liegen zwischen 175 und 320. Laut vorgelesen sind es etwa 183.
- Wie kann ich schneller lesen?
Viel lesen und den Wortschatz erweitern, Ablenkungen ausschalten, bei Fachtexten erst den Überblick holen und dann gezielt lesen. Fürs reine Überfliegen helfen Skimming-Techniken.
Quellen
Redaktionell geprüft von der Bibliothek.info-Redaktion · Stand: 27.10.2026





