Das Wichtigste in Kürze
- Eine Fahrbibliothek (Bücherbus) fährt nach festem Fahrplan Haltestellen an - meist alle ein bis zwei Wochen.
- Ausgeliehen wird wie in der Bücherei: mit dem Bibliotheksausweis, oft auch Vorbestellungen aus dem ganzen Bestand.
- Seit den 1990er-Jahren werden es weniger - die größte Flotte hat Schleswig-Holstein mit 12 Bücherbussen für 555 Gemeinden.
- Am dichtesten ist das Netz in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.
- Fahrplan und Haltestellen stehen auf der Website der Stadt- oder Kreisbibliothek.
Vielerorts wurde die Problematik mithilfe einer Fahrbibliothek gelöst. Die rollende Bücherei sorgt für deutlich kürzere Wege, weil sie zu den Menschen kommt, die ansonsten keinen Zugang zur Stadtbücherei hätten.
Hier auf bibliothek.info finden Interessierte Informationen rund um das Bibliothekswesen und können sich unter anderem auch mit dem Konzept der Fahrbibliothek vertraut machen. Insbesondere diejenigen, die bislang noch nicht zu den Nutzern solcher rollenden Büchereien gehörten, sollten sich das Ganze einmal genauer ansehen.
Das Konzept der Fahrbibliothek
All diejenigen, die von Fahrbibliotheken fasziniert sind und die betreffenden Angebote nutzen möchten, sollten zunächst wissen, dass entsprechende Einrichtungen unter anderem unter den folgenden Namen agieren:
- Bücherbus
- Wanderbücherei
- Fahrbücherei
- Büchereibus
- Autobücherei
- Bibliobus
Dass eine Fahrbibliothek typischerweise in einem Bus untergebracht ist, liegt somit auf der Hand. Der Bus ist durch umfassende Umbaumaßnahmen perfekt auf den Einsatz als rollende Bücherei angepasst und beherbergt eine große Zahl an Büchern und anderen Medien. Es gibt allerdings auch LKW, die dementsprechend umgebaut wurden, während vereinzelt auch Straßenbahnen die Rolle von Fahrbibliotheken übernehmen.
Vielerorts betreiben die öffentlichen Stadtbibliotheken Fahrbüchereien, um Kinder und Jugendliche in Außenbereichen zu erreichen und für das Lesen zu begeistern. Der Bibliobus soll demnach die Schule ergänzen und informative sowie unterhaltsame Literatur mitbringen. Oftmals richten sich die Fahrbibliotheken aber auch an Erwachsene oder gezielt Senioren. Es existieren demnach verschiedene Konzepte.
In den Regalen einer Fahrbücherei finden sich typischerweise zahlreiche Titel, so dass die Nutzer/innen trotz der Distanz zur eigentlichen Stadtbibliothek stöbern und sich inspirieren lassen können. All diejenigen, die konkrete Wünsche haben, können diese aber dem Personal mitteilen und ihre gewünschte Literatur dann beim nächsten Mal im Bücherbus abholen, sofern die Stadtbibliothek den Titel im Bestand hat. Bestellungen aus anderen Bibliotheken sind ebenfalls eine Option, die Nutzer im Hinterkopf haben sollten.
Wichtig zu wissen ist zudem, dass die Fahrbücherei nicht bei jedem einzelnen Nutzer zuhause Halt macht, sondern festgelegte Haltestellen anfährt. Es existiert zudem ein fester Fahrplan, an dem sich alle orientieren können. So weiß man stets ganz genau, wann der Büchereibus wo Station macht.
So nutzen Sie den Bücherbus
Schritt 1: Fahrplan finden
Auf der Website der Stadt- oder Kreisbibliothek nach „Fahrbibliothek“ oder „Bücherbus“ suchen.
Schritt 2: Ausweis holen
Im Bus oder in der Zentrale - der Ausweis gilt meist für Bus und Bücherei.
Schritt 3: Ausleihen
An der Haltestelle stöbern oder Titel vorab im Online-Katalog bestellen.
Schritt 4: Zurückgeben
Beim nächsten Halt - die Leihfrist passt meist zum Fahrplan.
Wie haben sich Fahrbibliotheken historisch entwickelt?
Erste motorisierte Bücherbusse verkehrten in Großbritannien sowie in den USA erstmals nach dem Ersten Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten Fahrbibliotheken im englischsprachigen Raum einen regelrechten Boom. Dieser hatte auch Einfluss auf die restliche Welt, so dass sich unter anderem in Skandinavien, im Mittelmeerraum oder auch in Österreich und der Schweiz Fahrbüchereien etablierten.
In Deutschland waren die ersten Buchmobile bereits in den 1920er-Jahren unterwegs. Die Stadtbüchereien Worms und Dresden waren hier ebenso wie das Saarland absolute Vorreiter. In den 1960er-Jahren gewannen fahrende Büchereien in Deutschland zunehmend an Bedeutung und setzen sich bundesweit durch. Obwohl ihre Zahl in den vergangenen Jahren rückläufig war, sind Fahrbibliotheken vielerorts noch vorhanden und wichtige Bestandteile des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens.
| Jahr / Ort | Fakt |
|---|---|
| 1925-1928 | erste deutsche Fahrbibliothek in Worms |
| 1929 | Dresden folgt mit einem Bücherbus |
| seit den 1990ern | Zahl der Fahrbibliotheken sinkt durch Sparmaßnahmen der Kommunen |
| Schleswig-Holstein | 12 Bücherbusse, rund 150.000 km im Jahr, 555 Gemeinden - größte Flotte Deutschlands |
| Bayern | 9 Fahrbibliotheken |
Was sind die Alternativen zur Fahrbibliothek?
Obwohl Fahrbibliotheken wichtige Institutionen sind, die trotz teils schwieriger Bedingungen vor Ort dem öffentlichen Bildungsauftrag der öffentlichen Büchereien nachkommen, lohnt es sich, nach etwaigen Alternativen Ausschau zu halten.
Dabei kann es sich um Online-Büchereien privater Anbieter, die Onleihe der Stadtbibliothek oder auch die Fernleihe handeln.
Häufige Fragen
- Wie finde ich den Fahrplan des Bücherbusses?
Auf der Website der Stadt- oder Kreisbibliothek, die den Bus betreibt - meist unter „Fahrbibliothek“ oder „Bücherbus“. Viele Busse halten an Schulen, Dorfplätzen und Seniorenheimen.
- Brauche ich für den Bücherbus einen eigenen Ausweis?
Meist nicht: Der Bibliotheksausweis gilt für die Bücherei und ihren Bus. Anmelden können Sie sich in der Regel auch direkt im Bus.
- Wo gibt es die meisten Bücherbusse?
Das dichteste Netz haben Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Schleswig-Holstein betreibt mit 12 Fahrzeugen die größte Flotte Deutschlands.
Quellen
Redaktionell geprüft von der Bibliothek.info-Redaktion · Stand: 09.10.2026





